Aus Conder Geschichte

Die Fahne von Cond
Teil 3


ond kann sich in Bezug auf sein Alter ruhig mit Cochem und Valwig messen, denn alle drei Orte bestanden als menschliche Besiedlungen bereits in vorrömischer Zeit. Es sind keltische Wohnorte, aus denen die Römer die Kelten vertrieben und danach die Moselfranken die Römer. Im Moseltal gibt es eine ganze Reihe ehemals keltischer Orte; natürlich Cochem: Cuchema 866, Cuhckeme, Chuckeme 893, Cochemo 1051, Chuchumo 1056, Kuchema 1130, Cuchemo 1136, Cocheme 1144 und seid fast immer Cuchme, Cochheim, schließlich Cochem. Dann Cond, Alcana (Alken), Bremba (Bremm), Caradena (Carden), Cloteno (Klotten), Cobrune (Kobern), Edegreis (Ediger), Falaria (Valwig), Contrua, Contravia (Gondorf), Loavia (Löf), Modena (Müden), Proteche (Bruttig), Purema (Pommern), Trisa (Treis), Velle (Fell), Wervis (Wirfus) u.a.

Von Cond finden sich die Bezeichnungen "villa Condendunum" (857), "Chudedo" und "Caneda" (1051), "Canida" (1052), "Condedo" und "Caneda" (1056), "in Cumdeda" (1186), "Cunda" (um 1220), "in Kunde" (1293), "in Konden" (1363).

Die Orstnamen mit den Endungen "-iacum", "-magnus" oder "-duum" gehen auf (romanisierte) keltische Ursprünge zurück.


Auch als Pfarrei ist Cond sehr alt. Das bezeugen der alte romanische Kirchenturm und der Kirchenpatron St. Remaklus.

Ist die Pfarrkirche Cochems seit 1136 nachweisbar, so spricht eine Urkunde von 857, zur Zeit des Stabloer Abtes Adelard (855 - 867), der von Kaiser Lothar II. auch die Kapelle in Kröv mit dem reichen Zehnten zugewiesen bekam (wegen Weinmangels in der Abtei), von einer Basilika in "Condendunum".

Um 650 ist die Mutterabtei der Conder Kirche entstanden, deren Begründer der Heilige Remaklus ist. Er wurde um 612 in Aquitanien geboren, vom Heiligen Sulpicius erzogen und durch den Heiligen Bischof Eligius von Royen zum Prior des Klosters Solgnac bestellt. Vom Frankenkönig Siegbert III. von Austrasien wurde er als erster Abt nach Cougnon berufen (644 bis 647).
Er veranlaßte seinen König und den Kanzler Grimoald zur Gründung der berühmten Doppelabtei Malmedy-Stablo, deren erster Abt er wurde. Gestorben ist er als solcher 670.


nsgesamt 76 Äbte haben das Kloster Stablo geführt, als letzter Coelestin von Thys (1787 - 1794). 1803 wurde das Kloster durch Napoleon aufgelöst.

Es erübrigt sich, auf die ausführlichen Quellen über Stablo, die der berühmten Benediktiner Mabillion, Martene und Durand, auf die Annales Stabuenses in Monuments de Namur, auf Martenes Imperialis Stabulensis etc., auf Berthalets Histoire de Luxemburg, auf die rhein. Annalen u. a. näher einzugehen.

St. Remaklus fand sein Grab in der Abtei Stablo, und eine kleine Zahnreliquie befindet sich im Altar der Conder Kirche ("Reliquuia Authentica de particula dentis s. Remacli episcopi, 12. dez. 1756"). Neun Jahre später erhielt Cond 1765 eine Ablaßbewilligung und dazu Instruktionen betr. des Kreuzwegs zu Cond.

Die bekannte Urkunde des Jahres 857 berichtet von einer Schenkung eines gewissen Willefried und eines gewissen Leodin.
Fast 1000 Jahre lang also hat ein Benediktiner aus der Abtei Stablo die Gemeinde in Cond betreut, wiewohl Cond einige Zeit jedoch organisatorisch zum Pfarrbezirk Klotten zählte.


Folgende Priester aus Stablo bzw. deren Amtsnachfolger nach der Auflösung des Klosters sind bekannt oder werden in Urkunden erwähnt:

Eberhard 1287
Eward 1297
Peter Retges 1569
Franz Schunck 1593 und 1603
Franz Schönborn 1617
Heinrich Flock 1620
Peter Herbertz 1656
Peter Elliger 1689, 1693, 1699
Heinrich Wallraff 1728, 1731, 1741, 1747
Johann Adam Hympfen 1752
Alexander Reiff 1759, 1766, 1769, 1771

1778 - 1794 Alexius Hein
1794 - 1834 Sebastian Josef Wirtz
1834 - 1836 Conrad Dommermuth
1837 - 1876 Johann Peter Eulenbruch

Vakanz in der Zeit des Kulturkampfes, verwaltet von Kaplan Jakob Hermes aus Cochem

1886 - 1911 Heinrich Michels
1911 - 1926 Josef Reuter
1926 - 1938 Andreas Bischof
1939 - 1941 Jakob Ziegler
1941 - 1944 Kaplan Mörringer aus Cochem
1944 - 1945 Kaplan Theis aus Cochem
1946 - 1954 Pfarrverwalter Alois Schmauch
1955 - 1990 Adalbert Heil


es Heiligen Remaklus Attribus war ein Wolf zu seinen Füßen. In den rauen Ardennen war das tier sehr heimisch und es geht die Sage, daß ein Wolf den Esel gerissen habe, der die Steine für den Klosterbau trug. Der hl. Remaklus aber zwang den Wolf, an die Stelle seines Opfers zu treten. daher ist der Wolf abgebildet mit einem Korb voller Steine auf dem Rücken.

Andere Überlieferungen sprechen statt eines Wolfes von einem Bär.

Doch auch das Abteiwappen von Stablo zeigte einen Wolf, ebenso die Stadt Remagen, die wie Cond altes Klostereigentum war.


aben sich auch mittelalterliche Dokumente und Notizen über Cond aus Klosterzeiten nicht erhalten, so haben die Herren von Stablo vor Ort fleißig Buch geführt: Zehnten- und Heberegister von 1605, 1620, 1751, 1753, 1754, 1797, Wein- und andere Zinsen der Pfarrei des 17. und 18. Jahrhunderts, ein Register der alten Pfarrkirche, erneuert am 13. Nov. 1691, fortgesetzt bis 1903 mit allen Geld-, Wachs-, Öl- und Weinzinsen, Anniversarien, einen Catalogus debitorum, sodann Pfarrhaus- und Kirchenbauakten von 1707, 1708, 1711, 1729, 1830, 1832, Akten betr. Pfarreinkünfte 1714 - 1836, dazu Holzberechtigungen 1731 bis 1756, Meßstiftungen, Liber confraternitatis de venerabili altaris sacramento 1756 ff., das alte 1756 begonnene, bis in die Neuzeit benutzte Lagerbuch von 1759, 1779, 1829, 1846, eine Konsekrationsbulle von 1764, Visitationsdekrete vom 24. September 1786, Taufen, Trauungen, Tote: 1798 - 1835, Ehedispense des 18. und 19. Jahrhunderts, Verordnungen der geistlichen Behörde im 18. und 19. Jahrhundert, schließlich auch noch Akten betr. die Kapelle auf dem Valwiger Berg.

Bei Aufhebung der Abtei Stablo 1803 besaß dieselbe in Cond 2/3 aller Zehnten, das restliche Drittel stand dem jeweiligen Pfarrer zu. 1735 hatte außerdem der Pastor von Bruttig 1/3 am Conder Kornzehnten.


eben Stablo war seit 1051 die Abtei Brauweiler (bei Köln) ansässig und begütert, da die auf der Burg Coraidelstein lebende Polenkönigin Richeza, Tochter des Pfalzgrafen Ehrenfried auf Cochem, zum Andenken an die in Brauweiler beerdigten Eltern der Abtei Güter in Clotteno (Klotten), Cheivenheim (Kaifenheim), Elre (Eller), Brembe (Bremm), Asche (Kaisersesch), werwis (Wirfus), Pulecho (Polch), Chuchomo (Cochem), Chundedo (Cond) u. a. vermachte. Als dritter im Bunde war seit 1186 in Cond das Stift St. kastor von Karden begütert und blieb es bis in die franz. Zeiten des 18. Jahrhunderts.
Sodann sind das Stift Pfalzel (18. Jhdt.), die Bruderschaft in Münstermaifeld (1673) und der König als der Lehnsherr verschiedener Grundbesitzer zu erwähnen.
Desgleichen sind zu nenne der Kurfürst von Trier, zusätzlich das Domkapitel. Weiterhin die Abtei Siegburg (1694), Springiersbach (1423), Rommersdorf (1627), und Maria Laach (1735 bzw. 1744), die Klöster Himmelrod (1289 und 1293), Maria Engelport (1656), Merl und Rosenthal (1735 bzw. 1744), das Stift Mayen sowie zahlreiche Grundherren aus dem Koblenzer Raum: das Stift St. Florin (1425), die Klöster St. Barbara (1735 bzw. 1744) und Wallersheim (1735 bzw. 1744), die Jesuiten (1684) und die Dominikaner (1735 bzw. 1744).
Außerdem die Pfarreien Cochem, Klotten und Forst (spätestens 1735 bzw. 1744). Schließlich gehörten Conder Güter der Kapelle auf dem Valwiger Berg, dem Seminar St. Lamberti und den Altaristen St. Jacobi in Trier und in Cochem.
Ein trierisches Rechteverzeichnis der Erzbischöfe von 1250 zählte Cuonda zu den Pfarreien des Landkapitels Kaimt (Zell) und schlägt als Kathedratikum (Steuer) 4 Unzen und 1 1/2 Mark für die Conder Kirche an:

ec sund jura archiepiccopi in decania keimtamde jure cathedratico:

Pumere (Pommern) VIII uncie et VI marce
Klottene (Klotten) VIII uncie et XII macre
Cogeme (Cochem) VIII uncie et III macre
Cunda (Cond) IV uncie et I marce dimi dia
Protecha (Bruttig) VIII uncie et III macre
etc.

Neben den geistlichen Herren war möglicherweise auch eine Adelsfamilie dauerhaft in Cond ansässig, worüber aber keine zuverlässige Nachrichten existieren. Nachgewiesen sind jedoch die Ritter Paul von Eich (Burggraf zu Neuerburg bei Wittlich) und Cuno von Bettingen als Lehensmänner des Kurfürsten sowie ein Freiherr von Wiltberg als Domherr zu Trier und Besitzer des ehem. Pützfelder Hofes.

Auch wird im Balduinium an 14. Stelle der zahlreichen Burgmannen der Burg Cochem angeführt: "Pu(eri) de Conde" (Kinder von Cond), eine Benennung, die sich sowohl auf Kinder im eigentlichen Sinne, als auch auf einen (Familien-) Namen beziehen kann. Das Wappen in diesem Zusammenhang war ein blanker, roter Schild.

In der Pfandverschreibung des verschuldeten deutschen Königs von Nassau, datiert Koblenz, 22. Juli 1294, an den trierischen Erzbischof Boemund wir u. a. neben Klotten, Cochem, Dohr usw. auch Cond genannt. Im übrigen sind die ältesten Akten über Cond sehr dürftig. Im Staatsarchiv ist wenig vorhanden.


Als Kaiser Maximilian 1512 nach Trier zum Reichstag zog, in Cochem an Land ging, der Reliquie des hl. Martin die schuldige Reverenz erwies und wahrscheinlich die noch erhaltene prächtige üste in Auftrag gab, übernachtete er auf der Burg. Das Gefolge schlug in Cond sein Lager auf.

So berichtet Peter Meyer aus Regensburg, kurfürstlicher Geheimschreiber und von 1515 bis 1541 Stadtschulheiß zu Coblenz.

Kaiser Maximilian war am Donnerstag nach dem Sonntag Invocabit (5. März 1512) in Koblenz angekommen. Und wenn der Bericht auch mit der Geschichte Conds nichts zu tun hat, so mag doch des Interesses halber ein kurzer Teil folgen:

"Den Fritage zu Coblenz stillgelegen und im Deutschenhaus Messe singen lassen. Samstag hat Syn Mayestät zu Sankt Florian Erzbischof Jakoben von Baden zu Trier Requiem singen lassen (Jakob II., Markgraf von Baden, war Kurfürst von 1503 bis 1511). Nach den Missen an das Schiff unsers gnädigen Herrn Jakob, das an der Brücke gehalten, geritten, darin gesessen und die Mosel ausgefahren. Syn Majestät hat ongefährlich by Ire gehabt an die 400 Pferde, die ufwärts mit den Mannen ritten, Gemeldts Samstag zur Mittage nach Cathenes (Kattenes) gekommen. Da gefuttert. Der Kurfürst von Trier (gemeint ist Kurfürst Richard von Greifenklau, 1511 bis 1531, der Hals über Kopf nach Koblenz reiste, den Kaiser zu empfangen), die Mosel herabgefahren in Meinung, den Kaiser in Coblenz zu empfangen. Da der Kaiser Trier (d. h. den Kurfürsten) gnädiglich angesprochen und ihm erlaupt, gen Coblenz zu fahren und über 3 Tage nachzukommen. Die Nacht hat der Kaiser zu Cochem uf dem Schloß gelegen, die Mannschaft im Conder Feld (also die 400 Pferde) den Sonntage Reminiscere gen Zell usw."

Die Wirren der Reformation schlugen sich indirekt auch in Cond nieder, nämlich 1569 in der Fehde zwischen dem streng katholischen Kurfürsten Jakob vom Eltz (1567 - 1581), der den tridentinischen Konzilbeschlüssen mit Nachdruck Eingang verschaffte, und den Winneburger Herren, insbesondere dem zur lutherischen Lehre übergetretenen Freiherrn Philipp II. von Winneburg und Beilstein (Sohn des Freihern Philipp I., der mit dem damaligen Pfarrer Johann Groissen von Valwig in argem Streite lebte).

Diesem Philipp II. besonders in seinem Neuerungen Einhalt zu gebieten, ordnete Kurfürst Jakob allenthalben Kirchenvisitationen an, die in der Folge regelmäßig stattfanden. So vernimmt man, daß größere Unregelmäßigkeiten sich nicht vorfanden.

Visitationsbericht von 1593: Ein Ehebrecher in der Gemeinde erhält die harte Strafe von 24 Talern, muß nach Eberhardsklause eine Bußfahrt unternehmen. Ein Sabbatschänder wird in eine Strafe von 3 Gulden genommen.
Im Bericht von 1620 wird ein Armenfonds erwähnt, 70 Kommunikanten zählte damals die Gemeinde. 1701 wurde die Kirche neu erbaut, der alte romanische Turm erhalten. Waren es vormals noch 70 Kommunikanten, so waren es 1778 schon 170.


n Mitleidenschaft gezogen wurde Cond auch bei der Erstürmung der Stadt Cochem im Jahre 1689. Der Angriff der Stadt soll nach Comes´ Angaben von drei Seiten, vom Schloßberg durch die Kanalgasse, von der Herrenwiese (Ravenéstraße) auf das Enderttor und die kleine Endertpforte und von Cond aus - die Mosel war August 1689 sehr niedrig - auf die ummauerte Stadt erfolgt sein. Darüber hatte die feindliche Artillerie Aufstellung genommen und beschoß die bedrängte Stadt aus nächster Nähe (laut Bericht von Comes´, 1852). Cond mußte für die Versorgung der fremden Sodateska sorgen. Sämtliche Wein- und Mehlvorräte und die Kirchenglocke wurden nach Montroyal verbracht.

Eine Liste aus dem Jahre 1771 zählt folgende steuerpfichtigen Bürger von Cond auf:

Balthasar, Anna Maria
Balthasar, Franz Bernard wittib. d.h. Witwe)
Balthasar, Pet.
Balthasar, Remaclus
Clas, Nicolaus
Cochems, Jacob
Contzen, Heinrich
Contzen, Heinrich wittib. (s.0.)
Contzen, Nicolas
Einig, Henrich
Fischbach, Nicolaus (Vogt)
Fölcker, Peter
Friderichs, Jo. Peter
Goebelen, Domian
Goebelen, Jo. Jacob wittib.
Goebelen, Joes
Goebelen, Wilhelm
Graven, Christian witrtib.
Graven, Frantz
Heehs, Frantz
Heehs, Peter,
Heymes, Jo. Adam
Heymes, Joes
Hyeronimi, Frantz Jos.
Hyeronimi, Maria Apollonia
Hyeronimi, Paul wittib.
Höltzenbein, Jo. Jacob
Keup, Henrich
Kollbecker, Nicolaus
Lauxen, Elisabeth
Lauxen, Joes
Lauxen, Martin wittib.
Losen, Joes
Losen, Wilhelm
Mattenach, Martin
Oster, Herman
Herr Pastor, ein zeitlicher zu Cond
Pfeiffer, Joes
Petri, Joes (Hoffmann auf dem Schaffstall)
Raab, Jo. Jacob wittib.
Rinck, Servat.
Rinck, Wilhelm
Schaden, Reinard
Schimen, Jo. Jacob
Schimen, Maternus
Schimen, Michael
Schmitz, Anton
Schmitz, Henr.
Schmitz, Jo. Pet.
Schmitz, Kilian
Schuwer, Bernard
Seiberts, Jo. Pet. wittib.

Diese Aufstellung wurde am 6. Mertz 1771 unterzeichnet von

Alexander Reiff, Pastor in Condt
Nicolaus Fischbach, Vogt
Petrus Balthasar, Schöffe
Remaclus Balthasar, Schöffe
Johannes Goebel, Schöffe


as ist so ziemlich alles, was über Conds Geschichte noch zusammengetragen werden kann und zum großen Teil einer Abhandlung aus dem "Cochemer Kreisanzeiger" vom 2. April 1926 entnommen wurde.

Der entsprechende Zeitungsausschnitt ist dankenswerterweise von Frau Margarete Thomas, Talstraße, zur Verfügung gestellt worden.

 

 

Der Verfasser dieses Zeitungsartikels (Edmund Streil) schließt mit den Worten:

"Ich wünsche dem Weindorf ein ferneres fröhliches Gedeihen und bald bessere Tage seiner heute so unsäglich traurig gestellten Winzerbevölkerung. Die Moselbrücke wird in den kommenden Tagen sein Geschick noch inniger mit Cochem verbinden".